Schulzeit vorbei…?
Wir haben unseren Jüngsten aus der Schule verabschiedet.
Ich bin erleichtert. Und gleichzeitig wird mir noch einmal bewusst, wie tief die Spuren sind, die diese Zeit bei uns hinterlassen hat.
Mit diesem Gefühl bin ich nicht allein. Immer wieder begegne ich Eltern, die erzählen, wie froh sie sind, wenn die Schulzeit endlich vorbei ist. Und auch viele Jugendliche, die ich kennenlernen durfte, beschreiben dieses Gefühl der Erleichterung.
Das bringt mich zum Nachdenken.
Wir schicken unsere Kinder über viele Jahre an einen Ort, dessen Ende für manche vor allem Erleichterung bedeutet.
Warum nehmen wir das als selbstverständlich hin? Ist das wirklich normal? Oder haben wir uns an etwas gewöhnt, das wir längst hinterfragen sollten? Zu oft wird weggeschaut. Wahrscheinlich nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil Schmerz schwer auszuhalten ist.
Weil Gewohnheiten Sicherheit geben. Weil viele Erwachsene ihre eigenen Schulerfahrungen mit sich tragen. Weil Veränderungen verunsichern. Und weil der Satz «Da müssen alle durch» seit Generationen dazu beiträgt, Belastungen als unvermeidbar anzusehen.
Unsere Kinder tragen jeden Tag die Last eines Systems, das sich selbst nicht hinterfragt. Sie müssen sich therapieren lassen, sich anpassen und funktionieren. Und die Gesellschaft nennt das normal!
Ich frage mich, wie lange wir das noch vor uns selbst rechtfertigen wollen. Hinter der glatten Oberfläche der Schule liegen Geschichten, die selten erzählt werden. Grenzen, die überschritten wurden. Kinder, die still gelitten haben. Verletzungen, die niemand hören will.
Was mich besonders trifft: Selbst Menschen, die alternative Bildungswege kennen, die kritisch denken, die offen sind – selbst sie weichen zurück, wenn es um die tiefen Verletzungen geht. Vielleicht, weil echter Schmerz schwer auszuhalten ist. Vielleicht, weil er die eigene Geschichte berührt. Vielleicht, weil es einfacher ist, an der Oberfläche zu bleiben.
Aber solange wir an der Oberfläche bleiben, bleiben die Kinder mit dem Tiefen allein.
Bildung sollte nicht bedeuten, Kinder an ein System anzupassen.
Bildung sollte bedeuten, ein System zu schaffen, das den Kindern gerecht wird.
Die Schulzeit ist vorbei. Aber das, was sie in Kindern hinterlässt, ist es oft nicht.
Karin Lerch, Team FriKids
