“Hat sich mal jemand mit den Kindern befasst?”

Leserbrief von Karin Lerch, Team FriKids, zum Artikel «392 Personen kritisieren die Situation an der Schule Jaun» in den FN vom 17. Dezember 2025.

Wie konnte man eine solche Situation überhaupt so weit kommen lassen? Diese Frage drängt sich mir auf, wenn ich lese, was derzeit an der Schule Jaun geschieht. Wir sprechen von einer öffentlichen Schule, an der Kinder Sicherheit und Stabilität erwarten dürfen. Und doch beschreibt der offene Brief «pädagogisch schlicht unhaltbare Zustände». Dass 392 Menschen aus Jaun und Umgebung diesen Brief unterzeichnet haben, zeigt, wie tief die Verunsicherung sitzt. Im Artikel ist von «Unverständnis und Konsternation» die Rede, genau das empfinde auch ich.

Im Zentrum steht für mich eine Frage: Hat man sich je ernsthaft damit befasst, wie es den Kindern in dieser belastenden Situation geht? Es ist kaum nachvollziehbar, wie eine Situation derart eskalieren konnte, ohne früher nach Lösungen zu suchen, die Kindern und Eltern Stabilität geben. Vertrauen in die Behörden schwindet, wenn Entscheidungen dieser Tragweite ohne klare Kommunikation getroffen werden.

Bedrückend ist, dass Eltern kaum Handlungsspielraum haben: Homeschooling ist schwer erreichbar, Privatschulen sind teuer. Am Ende bleibt nur das Zuschauen, wie ein System versagt.

Hinzu kommt eine klare Ungleichbehandlung: Für das Homeschooling gelten strenge Vorgaben, insbesondere bezüglich der Qualifikation der Lehrpersonen. Gleichzeitig greifen öffentliche Schulen in Ausnahmesituationen auf Personen ohne pädagogische Ausbildung zurück. Ich bin keineswegs der Meinung, dass nur ausgebildete Lehrpersonen Kinder begleiten können. Aber Regeln müssen für alle gelten; konsequent, fair und nachvollziehbar. Im Moment wirkt das System willkürlich: streng, wenn Eltern Verantwortung übernehmen wollen, erstaunlich nachlässig, wenn es um die öffentliche Schule geht.

Kinder brauchen vor allem verlässliche Erwachsene, die ihnen Halt geben, unabhängig davon, ob dies zu Hause oder in der Schule geschieht. Vielleicht wäre es deshalb sinnvoll, die bestehenden Vorgaben zu überdenken, besonders dort, wo alternative Bildungsformen deutlich strengeren Anforderungen unterliegen als öffentliche Schulen.

Karin Lerch-Kaeser, Team FriKids

Artikel und weitere Lesebriefe dazu hier: 392 Personen kritisieren die Situation an der Schule Jaun & «Rede mitenand» würde Konflikte vermeiden helfen & Ein totaler Mangel an Mitgefühl

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